Bemerkenswert sind die Fortschritte auf dem Gebiet der Gewebetransplantationen. Inzwischen ist der Anteil der Transplantationen von Gewebe wesentlich höher als die der Transplantation von Organen. Für Patienten ist erfreulich und beruhigend zugleich, dass die Anzahl an Komplikationen wesentlich geringer ist, wenn man sie ins Verhältnis zur Organtransplantation setzt. Ein weiterer großer Vorteil zur Organtransplantation ist darin zu sehen, dass entnommenes Gewebe zwischen Wochen, Monaten und Jahren gelagert werden kann. Hierzu wird es entsprechend aufbereitet und in Datenbanken erfasst.

Gewebearten für Transplantationen

In folgenden Bereichen kann der Chirurg Gewebetransplantationen vornehmen:

  • Haut
  • Augenhornhaut
  • Blutgefäße
  • Sehnen und Bänder
  • Herzklappen
  • Knochen
  • Eihaut der Fruchtblase

Am ehesten bei diesem Thema fällt den meisten Menschen die Hauttransplantation ein. Die Haut stellt das größte Körperorgan des Menschen dar. Sie schützt den Körper vor dem Eindringen von Bakterien, Kälte, Hitze und mechanischen Reizen. In der Regel setzt nach einer Verletzung ein Selbstheilungsprozess ein. Ist der Defekt zu groß oder der Heilungsprozess krankheitsbedingt gestört, kommt nur noch die Hauttransplantation in Betracht.

Bei der Augenhornhauttransplantation liegt meist eine Eintrübung oder eine Verletzung vor. Daraufhin reduziert sich das Sehvermögen. Bleiben diese Symptome unbehandelt, ist eine Erblindung nicht auszuschließen. Bei dem Routineeingriff, welcher rund 6.000 Mal in Deutschland durchgeführt wird, besteht nur ein minimales Risiko, dass das Transplantat abgestoßen wird. Damit das Licht die Netzhaut wieder erreichen kann, wird die getrübte Augenhornhaut durch ein ungetrübtes Implantat ersetzt.

Blutgefäßtransplantationen sind bei Diabetes oder Bluthochdruck notwendig

Die Blutgefäßtransplantation kann Venen und Arterien betreffen. Arterien befördern sauerstoffreiches und Venen sauerstoffarmes Blut innerhalb des Körpers. Verengungen, die auf Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck oder Rauchen und Adipositas zurückzuführen sind, erfordern eine Transplantation. Bei der Halsschlagader oder besonders großen Gefäßen kann diese Alternative nicht in jedem Fall eingesetzt werden.

Durch die Transplantation von Sehnen und Bändern kann die Lebensqualität der Betroffenen zu einem großen Stück verbessert werden. Oftmals ist es die Therapie bei Verletzungen der Achillessehnen oder des Kniegelenks. Ziel ist es, mit dieser Methode der Gewebetransplantation, eine Versteifung des Gelenkes zu vermeiden bzw. die Beweglichkeit wiederherzustellen.

Relativ hoch ist das Risiko bei der Transplantation von Herzklappen. Zunächst handelt es sich um das Infektionsrisiko, welches bei der Verwendung von künstlichen Herzklappen und Gefäßen besteht. Die Folgen einer frühzeitigen Verkalkung sind auf nicht optimal funktionierende Druckverhältnisse zurückzuführen. Ferner müssen Herzklappen häufiger ausgetauscht werden. Vor allem dann, wenn sie Kindern und Jugendlichen transplantiert wurden. Der Grund ist ganz einfach, die künstlichen Transplantate wachsen nicht mit.

Eine Knochentransplantation kann mithilfe von fremdem oder eigenem Gewebe erfolgen

Bei den Knochentransplantationen sind es in Deutschland rund 105.000 Eingriffe. Dabei belaufen sich die autologen (gespendetes Gewebe) Transplantationen auf rund 75.000 und der Rest auf allogene (körpereigenes Gewebe) Knochentransplantationen. Meist sind Unfälle, Entzündungen oder Tumore, die Ursachen, weshalb eine Knochentransplantation erforderlich ist.

Im Mutterleib befindet sich ein Embryo in der Fruchtblase. Diese wird von der Eihaut umhüllt. Es wurde erkannt, dass sich das Amnion, also die Eihaut zur Transplantation hervorragend eignet. Liegen Verletzungen der Hornhaut oder der Augenbindehaut vor, wäre dies ein Einsatzbereich. Genutzt wird das Transplantat auch bei Verbrennungen oder Wunden chronischer Art.